Die traditionelle Unterscheidung in zwei Geschlechtern – Mann und Frau – wird heute zunehmend infrage gestellt und nimmt mehr Raum ein, als vielen lieb ist.
Doch was daran ist den Betroffenen wichtig und wie können wir mit diesem Thema sinnvoll umgehen?
Was sagt uns das Liber L dazu – unterscheidet es nicht selbst binär? Nuit, Vers 3. Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.
Diesen Fragen werden wir uns nachfolgend widmen.
Inhalte
- Binäre Unterscheidung – Mann oder Frau – wird zurückgewiesen
- 3 Ebenen von Geschlechtern
- Liber L vel Legis, Nuit, 3. Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern
- „Sie“ und „Er“ im Horus-Äon
- Im Sinne aller Geschlechter
- Die göttlichen Prinzipien: Kraft und Form
- Geschlechteridentitäten: Vielfalt soll Gebundenheit und Ekel sein?
- Fußnoten:
Binäre Unterscheidung – Mann oder Frau – wird zurückgewiesen
Dass die biologisch binäre Unterscheidung der Realität vieler Menschen (1) nicht gerecht wird, dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Es gibt Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen zuordnen wollen, und es gibt Menschen, die zwar die typisch biologisch geschlechtsspezifischen Merkmale aufweisen, sich aber mit dem jeweils anderen Geschlecht identifizieren und entsprechend wahrgenommen werden wollen.
Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, denn all das gehört zur Wertschätzung eines Menschen, nämlich gesehen und gehört zu werden. Dazu muss ich wissen, wie eine andere Person angesprochen werden will, wozu auch die Geschlechtsanrede gehört.
Es gibt viele Menschen, die genervt davon sind, wie viel Raum dieses Thema in Politik, Gesellschaft und Medien einnimmt. Das gilt vor allem für manche, schwer nachvollziehbare Forderungen, z. B. die Forderung nach non-binären Parkplätzen, dass Kinder ihr Geschlecht selber wählen dürfen oder dass biologische Unterschiede im Sport keine Rolle spielen sollen, um nur einige Beispiele zu nennen. Sehr umstritten sind die Forderungen einer gendergerechten Sprache, die in der Bevölkerung keine breite Zustimmung findet. Kritisiert wird auch, dass Menschen, die psychische Probleme haben oder ihre Ideologie ausleben wollen, das Thema in ihrem Sinne nutzen, als Deckmantel für völlig andere Absichten.

Doch auch unsinnige Forderungen sind Teil eines Prozesses, der zurzeit stattfindet und uns hoffentlich zu einer neuen, handhabbaren Normalität führt, mit der sich ein Großteil der Menschen wohlfühlt. Zumindest ist das eine Sichtweise, um mit dem ganzen Thema vielleicht etwas gelassener umgehen zu können, anstatt sich darüber aufzuregen und auf Ausgrenzung zu setzen. Wenn sich etwas verändert, beansprucht es mehr Raum, Zeit und womöglich Nerven, bis eine Lösung gefunden, Änderungen akzeptiert und Normalität einkehren kann. Das ist zumindest die Erfahrung mit anderen Umstellungen und daher auch in diesem Fall zu hoffen.
Ein Beispiel dafür sind Linkshänder, die per Druck und Strafe in den Schulen umerzogen und in ein Rechtshänder-Schema hineingepresst wurden. Die eigentliche Umstellung dauerte 20 bis 30 Jahre, nachdem in den 1970ern die ersten modernen, wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentlicht wurden. Schulen hörten auf, Kinder umzuerziehen, Eltern wurden (medial) aufgeklärt. Linkshänder-Schreibgeräte und andere Gerätschaften für Linkshänder kamen auf den Markt. Heute ist das kein Thema mehr. Linkshänder schreiben und bevorzugen bei Tätigkeiten ihre linke Hand, Rechtshänder, die rechte. Wir gehen damit mittlerweile ganz normal um und versuchen nicht mehr, Linkshänder als nicht normal abzustempeln und eines Besseren zu belehren.
So sollte es sich auch bei den verschiedenen Geschlechteridentitäten entwickeln, ohne das Thema künstlich aufzubauschen oder gänzlich zu ignorieren. Es bleibt zu hoffen, dass auch genervte Menschen nicht den Kern des Themas aus dem Auge verlieren, aufgrund überspitzter, teils penetranter Belehrungen und Wortkriege durch Politik und Medien. Denn die Gefahr besteht, dass dadurch genau das Gegenteil davon erreicht wird, was erreicht werden soll. In diesem Sinne sollten wir uns selbst in den Focus nehmen, inhaltlich bleiben und nicht alles zu ernst zu nehmen, was das Netz oder andere Medien äußern.
3 Ebenen von Geschlechtern
Es gibt viele Kulturen weltweit, die seit Jahrhunderten mehr als zwei Geschlechter kennen. Daher handelt es sich um kein neues, modernes, westliches Konzept, das gerade in Mode ist. Es ist eher umgekehrt: Die strikte Zweigeschlechterordnung ist historisch eher die Ausnahme (2).
Ein Geschlecht ist immer kulturell konstruiert und nicht universell festgelegt. Viele Kulturen haben flexible, vielfältige und sozial eingebettete Geschlechterrollen. Geschlechterzuordnungen decken Spektren ab und sind keine universellen Wahrheiten. Eine Geschlechtszuordnung ist immer sozial, psychologisch und biologisch motiviert.
Auch die Wissenschaft ordnet heute das Geschlecht in drei Ebenen ein (Tabelle):
| Ebene | Was wird untersucht? | Einordnung |
|---|---|---|
| Biologisch | Chromosomen, Hormone, Anatomie | Spektrum, nicht binär |
| Psychologisch | Geschlechtsidentität | eigenständige Dimension |
| Sozial | Rollen, Normen, Erwartungen | kulturell geprägt |
Oft werden 7 Kategorien bzw. 7 (soziale) Geschlechteridentitäten unterschieden (3). Doch dabei handelt es sich um keine wissenschaftliche „Wahrheit“ oder eine weltweit anerkannte, einheitliche Liste von 7 Geschlechtern. Die Unterscheidungen sollen vielmehr verdeutlichen, welche derzeit oft vorgenommen werden, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Um die Einteilungen nachvollziehen zu können, ist es hilfreich die oben genannten 3 Ebenen mitzubedenken.
Liber L vel Legis, Nuit, 3. Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern
Wer diesen Vers liest und aus einer Selbstverständlichkeit heraus versteht, wird vermutlich von einer binären Unterscheidung ausgehen:
- Jeder Mann ist ein Stern.
- Jede Frau ist ein Stern.
Doch in diesem Vers steht wesentlich mehr! Lesen wir das „UND“ nicht als Konjunktion, sondern als logisches „UND“, sind alle Menschen Sterne, die
- sowohl Mann als auch Frau sind bzw.
- weder (eindeutig) Mann noch (eindeutig) Frau sind.
Denn sie lassen sich keinem der beiden Geschlechterpole eindeutig zuordnen.

Damit ist eine Vielfalt an möglichen Geschlechteridentitäten angesprochen, die schon vorgenommen wurden oder noch vorgenommen werden. Im Spektrum der Geschlechter fehlt jedoch noch eine Kategorie, die für jene gedacht ist, die sich nirgendwo zuordnen wollen.
Allerdings sind auch sie eingeschlossen, weil es sich bei Vers 3 um eine universale, allgemeingültige Aussage handelt, die keine Ausnahmen nennt. Menschen, die also nicht explizit genannt werden, sind eingeschlossen. Sehen wir uns ein Beispiel dazu an:
„Jeder Hund und jede Katze braucht Futter.“
Dass es auch viele andere Lebewesen gibt, die Futter brauchen, darüber ist im Satz nichts ausgesagt – er lässt es offen. Ähnlich verhält es sich auch bei Nuit, Vers 3. Er lässt es offen, welche Geschlechtsidentitäten Sterne sind bzw. schließt diese mit ein, auch wenn man sich außerhalb des Spektrums „Mann/Frau“ ansiedeln möchte.
Fazit: Alle Menschen, die in irgendeiner Weise mit der Zuordnung Mann oder Frau zu tun haben oder diese zurückweisen, sind in Nuit Vers 3 eingeschlossen (4).
„Sie“ und „Er“ im Horus-Äon
Auffällig ist, dass das L nur in einem Vers von Mann und Frau spricht. In vielen anderen Versen spricht es von „Sie“ und „Er“, und gibt weitere Informationen, wie wir uns dem Thema nicht nur von der menschlichen, sondern auch spirituellen Seite aus nähern können.
Nuit, Vers 16:
„Denn er ist immer die Sonne und sie ein Mond.
Doch sein ist die geflügelte geheime Flamme
und ihrer das herabfallende Sternenlicht.“
„Er“ ist die Sonne und „Sie“ der Mond. Doch der Vers beschreibt mehr, nämlich die Konsequenz, welche sich aus der Sonne und dem Mond ergibt.
„Er“ ist immer die Sonne, die Kraft, welche nicht wahrgenommen werden kann (korrespondiert mit der geheimen = verborgenen, unsichtbaren Flamme), wenn der Mond, „Sie“, fehlt, das Licht der Sonne zu formen. „Sie“ ist diejenige die formt – das herabfallende Sternenlicht ist geformtes Licht.
Die Sonne-Mond-Metapher in Nuit Vers 16 beschreibt den Vorgang sehr gut. Das Licht, welches den Weltraum durchdringt, wird erst dann gesehen, wenn es auf die Erde oder den Mond trifft. Der Weltraum als solcher bleibt dunkel.
„Er“ gibt die Kraft, doch die Kraft ist blind (erratisch, wirr), wenn sie nicht geformt wird. „Sie“ formt, doch das kann sie nur, wenn sie die Kraft von ihm aufnimmt, ansonsten ihre Formen lahm (kraftlos, also ohne Wirkung) bleiben.
Übertragen wir „er“ = Mann und „sie“ = Frau, dann finden wir Zuspruch von Seiten der Biologie. Er befruchtet sie. Sie empfängt, formt das Kind in ihrem Leib und gebiert es. Die Sonne-Mond-Metapher schließt die biologische Perspektive zwar mit ein, doch diese ist nur eine von vielen.
Im Sinne aller Geschlechter
Wagen wir eine weitere. Was könnte das gemeinsame Kind von Sonne und Mond sein? Wirklichkeit, neue Welten! Er ist Sonne, sie ist Mond und sie ist es, die Wirklichkeit, neue Welten formt und hervorbringt – sie, die Künstlerin.

Es ist wichtig, dass diese allgemeine Ebene: „Sie“und „Er“ und die konkretere Ebene: „Frau und Mann“ auseinandergehalten und streng unterschieden werden. Denn jeder Mensch, unabhängig seiner gewählten Geschlechtsidentität, ist immer beides, also „Form + Kraft“ oder in anderen Worten: „Sie + Er“ – wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Beides, „Kraft und Form“ – „Sie und Er“ sind jeweils Voraussetzung des Anderen und werden vom Anderen erst erzeugt.
Wir werden weiterhin, wo immer es möglich und sinnvoll ist von „Sie+Er“ sprechen bzw. von „Ihr+Ihn“, anstatt von Männern und Frauen, um in Erinnerung zu behalten, dass es nicht um konkrete Geschlechteridentitäten geht, sondern um jeden einzelnen Menschen unabhängig seines Geschlechts. Denn jeder Mensch erschafft sein Leben und erzeugt Wirklichkeit gemeinsam mit anderen Menschen.
Die göttlichen Prinzipien: Kraft und Form
Kraft und Form sind göttliche Prinzipien und lassen sich Nuit und Hadit zuordnen. Daraus entsteht die Wirklichkeit, Ra-Hoor-Khuit, ihr gemeinsames Kind. Man könnte auch sagen, dass dieses gemeinsame Kind der Vollzug des eigenen Willens ist, die Verwirklichung von etwas, was uns am Herzen liegt, wofür wir brennen und was unserem Leben Sinn gibt.
Wir sollten also immer im Blick behalten, dass Götter reine Prinzipien sind, die im Menschen niemals rein auftreten können, denn ein Mensch ist schon Verwirklichung von Kraft + Form. Beide Prinzipien treten in „ihr“ bzw. „ihm“ gemischt auf. Die Kraft von Nuit tritt in „ihr“ auf als die Kraft zu formen. Die Form von Hadit tritt in „ihm“ auf als die Form der Kraft.
Diese Sichtweise veranschaulicht vielleicht ganz gut, dass mit dem Wechsel des Äons auch andere Sichtweisen auf traditionelle Rollen und Geschlechteridentitäten nicht nur erwartbar, sondern auch notwendig sind. Denn es sollte primär darum gehen, den eigenen Willen zu erschaffen, auch dann, wenn wir uns außerhalb der traditionellen Geschlechter verorten.
Geschlechteridentitäten: Vielfalt soll Gebundenheit und Ekel sein?
Nuit 42. Der Zustand der Vielfältigkeit soll Gebundenheit und Ekel sein. So mit all deinem; du hast kein Recht als deinen Willen zu tun.
43.Tu dies und keiner soll nein sagen.
Wenden wir Vers 42 auf Geschlechteridentitäten an, geht es nicht primär darum, im Raum der Möglichkeiten zu verharren oder sich mit dem Zustand der Vielfältigkeit zufriedenzugeben. Es geht auch nicht darum, Geschlechteridentitäten zu kategorisieren und primär damit beschäftigt zu sein, sich anderen Menschen gegenüber abzugrenzen, sie mit anderen sprachlichen Ausdrucksformen zu belehren oder zu maßregeln, wenn es nicht funktioniert. Denn es ist unwichtig, ob es 7, 10 oder 20 Schubladen gibt, in die man sich einordnen kann. Auch eine veränderte Sprache ändert nichts an den Bedürfnissen, die jenseits einer binären Geschlechterzuordnung liegen. Diese Bedürfnisse sind es, die wir ernst nehmen sollten.
Es geht um das Bedürfnis, sich selbst besser zu verstehen. Daher ist es durchaus nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die andere, passendere Kategorien als Mann/Frau brauchen, um Worte und eine Beschreibung für ihre Geschlechtsidentität zu finden. Mit Sicherheit ist es ihnen auch wichtig, andere Menschen zu sehen, zu hören und vielleicht sogar kennenzulernen, die das gleiche Anliegen haben. Damit verbunden ist das Bedürfnis nach Wertschätzung, ohne sich permanent verstellen zu müssen. Natürlich geht es darum, sich selbst einen Ausdruck zu geben. Doch sich selbst – seinem Selbst – einen Ausdruck zu geben ist immer verbunden mit willentlichen Handlungen und das bedeutet seinen Willen zu tun oder – einen Schritt vorher – ihn zu erschaffen. Das ist zumindest die thelemische Perspektive.

Was können wir also tun? Wenn wir uns unsicher sind, fragen wir doch einfach nach, z. B. wie „Sie+Er“ angesprochen werden will. Wir müssen uns nicht mit dem ganzen Thema auskennen. Wir müssen auch nicht korrekt gendern. Wir brauchen „Sie+Ihn“ nicht anders wertzuschätzen, wie den Großteil der Menschen, die sich einem binären Geschlecht eindeutig zuordnen. Ich bin davon überzeugt, dass es den meisten einfach darum geht, gesehen und gehört zu werden und nicht von vornherein als anormal, krank oder exotisch abgestempelt zu werden. Alles andere können wir getrost den Betroffenen überlassen. Denn jeder Mensch ist für sein Leben selbst verantwortlich.
Das Herausfinden und die Akzeptanz der eigenen Geschlechtsidentität sind also notwendig und eine Voraussetzung, sich besser zu verstehen, um willentlich tätig werden zu können. Doch als alleiniger Inhalt gibt sie dem Leben keinen Sinn.
Das hat Nuit schön ausgedrückt: Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern. Damit spielt sie auf die Einzigartigkeit jedes Menschen an, den eigenen unermesslichen, unendlichen Wert. Damit ist aber auch eine Aufforderung, ein Auftrag oder eine Aufgabe verbunden. Erst durch das Erschaffen und Vollziehen des eigenen Willens bekommt der unendliche Wert und die Einzigartigkeit jedes Menschen einen ganz persönlichen Ausdruck und Strahlkraft, wozu etwas mehr gehört, als die passende Geschlechtszuordnung vorzunehmen.
Denn: … du hast kein Recht als deinen Willen zu tun. Tu dies und keiner soll nein sagen. Denn reiner Wille, unbefleckt vom Zweck, befreit von der Gier nach Ergebnis ist in jeder Hinsicht vollkommen. (Liber L vel Legis, Nuit Vers 43 und 44)
Fußnoten:
Wie viele Menschen sich anders als traditionell binär einordnen, kann nur geschätzt werden, denn die Dunkelziffer ist hoch und offizielle Zahlen erfassen nur einen winzigen Teil der Menschen. Das liegt daran, dass sich unter dem offiziell dritten Geschlecht „Divers“ nur diejenigen eintragen dürfen, die einen medizinischen Nachweis erbracht haben, dass sie weder eindeutig männlich noch weiblich sind. Das betrifft jedoch nur ein Bruchteil von Menschen. (Stand Dezember 2025)
Schätzungen für Deutschland, die auch zu anderen internationalen Vergleichsdaten passen, gehen von 1 % der Bevölkerung aus, die sich außerhalb der binären Geschlechtszuordnungen ansiedeln. Das sind etwa 830.000 Menschen. Das sind aber nur Schätzungen, eine Erhebung gibt es derzeit (noch) nicht.
Zwei Beispiele: Māhū in Hawaii und Waria in Indonesien. Beide Gruppen haben besondere soziale Rollen und sind traditionell anerkannt.
1. Māhū sind Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Aspekte verkörpern – im Geist, im Herzen oder im sozialen Ausdruck. Māhū waren in Hawaiʻi keine Randfiguren, sondern verkörperten zentrale Funktionen ihrer Kultur, Spiritualität und Heilkunst. Ihre Rolle war gesellschaftlich anerkannt, respektiert und tief verwurzelt in der hawaiischen Weltanschauung. Mit der Ankunft westlicher Missionare wurde das traditionelle Verständnis von Geschlecht stark verdrängt. Māhū wurden zunehmend stigmatisiert, obwohl sie zuvor respektierte Mitglieder der Gemeinschaft waren.
Heute erleben Māhū eine kulturelle Wiederanerkennung, und viele Einheimische betonen wieder ihre historische Bedeutung.
2. Der Begriff Waria setzt sich aus wanita (Frau) und pria (Mann) zusammen. Er bezeichnet Menschen, die bei Geburt als männlich eingeordnet wurden, sich aber weiblich kleiden, leben oder identifizieren. Manche beschreiben sich als Frauen, andere als ein eigenes drittes Geschlecht.
Diese Identität ist kulturell gewachsen und nicht einfach deckungsgleich mit westlichen Begriffen wie „trans Frau“ oder „Drag“.
Historisch hatten Waria in vielen Regionen Indonesiens eine sichtbare, teilweise akzeptierte Rolle:
- in der Unterhaltungsbranche, als Sängerinnen, Tänzerinnen oder Performerinnen;
- in Schönheitssalons, Kosmetik und Mode;
- in der Spiritualität, die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt war.
Leider erlebt diese Gruppe seit 2010 zunehmende Diskriminierung, auch vom Staat. Dennoch schaffen sich Waria ihre eigenen Netzwerke, Gemeinschaften und Schutzräume. Sie organisieren Wohltätigkeit, religiöse Aktivitäten und sorgen für gegenseitige Unterstützung.
Welche (sozialen) Geschlechtsidentitäten gibt es?
Bei einer Einteilung soll es immer um ein Verständnis von (sozialen) Geschlechtsidentitäten gehen, nicht um eine Erweiterung des Schubladendenkens ala „aus 2 mach 7“. Die folgenden 7 Kategorien haben keine wissenschaftliche Grundlage. Sie werden derzeit oft in Blogs oder Social Media vorgenommen und sollen einen Eindruck über die Vielfalt der Geschlechteridentitäten vermitteln, um sie nachvollziehbarer zu machen (Stand: 2025).
- Männlich (male): Identität – fühlt sich als Mann; Körper – kann, muss aber nicht typisch männliche Merkmale haben; Rolle – orientiert sich oft an gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit.
- Weiblich (female): Identität – fühlt sich als Frau; Körper – kann, muss aber nicht typisch weibliche Merkmale haben; Rolle: orientiert sich oft an gesellschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit.
- Intersex: Identität – kann männlich, weiblich, nicht-binär oder etwas anderes sein; Körper: Merkmale (Chromosomen, Hormone Genitalien) passen nicht eindeutig in „männlich“ oder „weiblich“; Wichtig: Hier handelt es sich um eine biologische Intergeschlechtlichkeit, die nichts über die (psychologische) Gender-Identität aussagt. Nur diese Personengruppe darf (muss aber nicht) bei der Wahl des Geschlechts (z. B. im Personalausweis): „Divers“ ankreuzen. Divers ist immer gekoppelt an biologischen Merkmalen, die nicht eindeutig männlich bzw. weiblich sind.
- Trans: Identität – stimmt nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein; Bsp. Trans Mann, bei Geburt weiblich zugewiesen, lebt als Mann. Entsprechendes gilt für die Trans Frau. Trans wird oft als eine eigene Kategorie geführt, obwohl es sich um keine eigene Geschlechtsidentität handelt.
- Nicht-binär (non-binary): Identität liegt nicht ausschließlich in „männlich“ oder „weiblich“. Sie kann zwischen, jenseits oder außerhalb der binären Kategorien liegen. Beispiele: genderfluid, bigender, demigender.
- Agender: Identität – fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig. Diese Kategorie ist manchmal eine Unterkategorie zu nicht-binär, manchmal auch eine eigene Kategorie.
- Genderqueer: Dabei handelt es sich um einen Oberbegriff für Identitäten, die ganz bewusst traditionelle Geschlechtergrenzen überschreiten. Es kann sich also um Mischformen handeln. Sie sind oft politisch oder aktivistisch.
Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern. Alle Menschen, unabhängig ihrer Geschlechtsidentität, sind in diesem Vers eingeschlossen:
- Menschen, die sich als Mann fühlen (eingeschlossen)
- Menschen, die sich als Frau fühlen (eingeschlossen)
- Menschen, die sich sowohl als Mann als auch als Frau fühlen (eingeschlossen, weil sie beide Pole berühren)
- Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen (eingeschlossen, weil der Satz universal gilt und keine Ausschlussbedingungen enthält. -> Das wäre der Fall, wenn nur jeder Mann und jede Frauen ein Stern ist.)
- Menschen, die biologisch zwischen den Kategorien liegen (eingeschlossen, da sie zwischen beiden Polen liegen)
- Menschen, die sich gar nicht einordnen wollen (eingeschlossen, weil es sich um einen universalen Satz handelt, der eine allgemeingültige Aussage macht).

von Cassandra
Ich geh’ leben – kommst du mit?






